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Wie Eltern von ADHS-Kindern gekonnt kommunizieren

05. Januar 2024

Wenn ein ein ADHS-Kind seine Grenzen erreicht, sich gestresst oder bedroht fühlt, dann treten diese vier Stresszustände auf:

  • FIGHT | KAMPF
  • FLIGHT | FLUCHT
  • FREEZE | ERSTARRUNG
  • FAINT | OHNMACHT 

Sie sind Reaktionen des Körpers und gelten als überlebenswichtiges Kampf-oder-Flucht-Reaktionssystem. Dabei ist wichtig zu wissen, dass das obere Gehirn, das für exekutiven Funktionen und somit die rationale Denkweise verantwortlich ist, langsamer reift als das untere Gehirn.

Dieses hingegen ist mit Überlebensinstinkten und Emotionsregulierungen verbunden und kommt in Situationen des Stresses und der Bedrohung zum Zuge. Ich nenne den oberen Teil des Gehirns auch sehr gerne «Kapitän» und den unteren «launische Diva». Das hilft sich ein inneres Bild zu machen. 

Warum das gerade bei ADHS-Kindern besonders wichtig ist

… weil bei Kindern und Jugendlichen diese Reaktionen des unteren Gehirns aufgrund der noch unvollständigen Entwicklung des oberen Gehirns schneller greifen. Bei ADHS-Betroffenen ist das Stirnhirn – also der Kapitän – weniger aktiv und circa drei bis fünf Jahre im Rückstand. Das limbische System – das emotionale Hirn – ist und bleibt auch später stärker als das Stirnhirn.

Somit landet das Gehirn der Kinder und Jugendlichen immer schneller im Chaos, als das ihrer Eltern. „Launische Diva“ – ahoi! 😊

Konkret: Die 4 Stress-Zustände Kampf, Flucht, Erstarrung und Ohnmacht werden schneller aktiviert als bei uns Erwachsenen. Die „launische Diva“ ist immer etwas schneller.

Sprich: Mit rationalen Argumenten ist in solchen Momenten nicht beizukommen. Genauso, wie wir Erwachsenen, wenn wir im Stress sind, meist auch nicht für rationale Argumente empfänglich sind 😀.

Was kann man also tun als Eltern von ADHS-Kindern?

Um das Chaos im Gehirn zu bewältigen, können

  • Struktur im oberen Gehirn,
  • Ordnung im oberen Gehirn,
  • die Berücksichtigung emotionaler Bedürfnisse im unteren Gehirn

helfen.

Was heisst das konkret?

Zuerst gilt es der Berücksichtigung emotionaler Bedürfnisse im unteren Gehirn, ganz nach Daniel J. Siegel und Tina Payne Bryson, «Achtsame Kommunikation mit Kindern».

Dies tut man, indem man sich mit dem Kind emotional verbindet und dann umlenkt. So gibt man dem emotionalen Bereich (limbisches System), also der „launischen Diva“ Raum und hört ihr zu. Man geht zuerst auf das entsprechende Gefühl ein und verbindet sich so mit der rechten Hirnhälfte. Das Ziel hierbei ist das gemeinsame Surfen auf der emotionalen Welle.  

Hier ein Beispiel:

„Ich spüre, Du bist wütend. Du bist von der Schule nach Hause gekommen und hast den Schulsack in die Ecke geworfen. Ist denn etwas in der Schule oder auf dem Heimweg passiert, das Dich geärgert hat?“

Gelegentlich sind wir verärgert und sprechen nicht darüber. In solchen Momenten kann das Gefühl in uns wachsen, wie eine gewaltige Welle, die uns mitreisst. Infolgedessen äussern oder tun wir etwas, das eigentlich nicht unseren Absichten entspricht. Daher ist es entscheidend, der „launischen Diva“ ausreichend Raum zu geben und die Emotionen zu benennen.

Anschliessend erfolgt ein Wechsel auf die lösungsorientierte, logische Ebene; jetzt kommt der „Kapitän“ zum Zuge 😊. In dem man dem Gegenüber Vorschläge zur Veränderung der Situation macht.

ADHS-Kinder, launische Diva & Kapitän

Als Beispiel in Bezug auf die vorangehende Situation:

„Du könntest entweder deinem Freund, der dich auf dem nach Hauseweg geärgert hat, einen kurzen Brief schreiben und ihm diesen morgen in der Schule geben oder ich bitte die Mama (vom Freund) darum, dass ihr euch heute Nachmittag treffen könnt, um es gemeinsam miteinander zu besprechen.“

Hier passiert der Wechsel von der Verbindung von der rechten zur linken Hirnhälfte. Durch das, wird das Vorgefallene meist relativiert, die Gefühle und damit die „launische Diva“ beginnt sich zu beruhigen und der „Kapitän“ fängt sich schneller einzuschalten. Oft ist das Ursprungsereignis schnell(er) vergessen.

Was hilft ausserdem in der Kommunikation mit ADHS-Kindern?

Gezieltes Lob bei ADHS-Kindern

Das gezielte Lob kann gerade bei ADHS-Kindern zweifach wirksam sein – einerseits stärken Komplimente durch Anerkennung und Zuwendung den Selbstwert (auch wenn es manchmal entgegen unserer Intuition ist 😉) – andererseits gibt das Gegenüber durch gezieltes Lob Handlungsanweisungen, was ihnen hilft, den Alltag positiv anzugehen und zu bewältigen.

Probieren Sie es einfach aus und lassen Sie sich von Ihren eigenen Erfahrungen überraschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie das wunderbar rocken werden!

Vielleicht mögen Sie mir Ihre Erlebnisse auch persönlich via Feedback mitteilen – ich bin schon gespannt drauf!

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Ich freue mich auf Sie!

Herzlich

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